Mercedes E-Klasse Cabrio: Erste Fahreindrücke
Viersitzer will mit Warmluft-Düsen und neuartigem "Aircap" verwöhnen
Geteilter Platz
Beim neuen E-Klasse-Cabrio hat sich Mercedes für ein Stoffverdeck entschieden. Trotzdem steht die Windschutzscheibe relativ flach, ganz als ob zunächst ein Stahlklappdach geplant worden wäre. Auf Nachfrage wird jedoch mit Nachdruck betont, dass eine Blechmütze nie zur Debatte gestanden habe, vielmehr seien es aerodynamische Gründe, die die flache Scheibe bedingen. In der Tat hat das Modell einen sehr günstigen cW-Wert von 0,28. Vor dem Start lernen wir aber zunächst die Tücken des Kofferraums kennen: Bei geschlossenem Verdeck passen 390 Liter hinein, unsere Koffer finden mühelos Platz. Problematisch wird es erst beim offenen Fahren. Hier schrumpft das Volumen des Gepäckabteils auf 300 Liter. Das klingt immer noch ordentlich, doch es muss ein schwenkbares Rollo nach unten gezogen werden, damit das Verdeck an seinen Platz findet. So wird der nutzbare Raum deutlich eingeschränkt, nur mit Müh und Not bekommen wir unsere Sachen noch unter.
Kommod cruisen
Nun ist die Zeit gekommen, um den Stoffhut elektrisch zu öffnen. Laut Mercedes dauert das nur 20 Sekunden, gefühlt erscheint uns der Zeitraum jedoch länger. Die Bedienung erfolgt über einen Hebel, der sich unter einer Klappe vor dem Drehknopf des Infotainment-Systems befindet. Unter der Motorhaube flüstert der Benzindirekteinspritzer, der anschaulich den Fortschritt der letzten Jahrzehnte zeigt. Der eingangs erwähnte W 111 brauchte als 280 SE 3.5 noch einen Achtzylinder mit 3,5 Liter Hubraum, um 200 PS zu erzeugen. Beim 250 CGI reicht für 204 PS dank Turboaufladung fast die Hälfte, nämlich 1,8 Liter Hubraum und vier Zylinder. Sehr laufruhig zieht das Aggregat den Mercedes voran, beim entspannten Cruisen macht die Automatik ihren Job gut. Erst beim Gasgeben stoßen die fünf Stufen an ihre Grenzen. Will man in den offiziell angegebenen 7,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, werden die Gänge weit ausgedreht, was zu Lasten der Geräuschkulisse geht. Deutlich diskreter arbeitet die 7G-Tronic, doch den Siebengang-Automaten gibt es nur für die Sechszylinder. Sehr gut gelungen ist die Federung, die lediglich auf schweren Querfugen Stöße in den Innenraum weiterleitet. Etwas indirekt ist hingegen die Lenkung ausgelegt, zudem dürfte die Bremse etwas feiner dosierbar sein. Im Fond findet man im Vergleich zu anderen Cabrios ausreichend Platz vor, aufgrund der recht knapp kalkulierten Beinfreiheit kommen zu viert trotzdem maximal Mittelstrecken in Betracht.
Spoiler für die Scheibe
Das Mercedes E 250 CGI Cabrio folgt der Devise "Reisen statt Rasen". Für viel Komfort sorgt nicht nur die sehr verwindungssteife Karosserie, sondern auch zwei Neuerungen. Weiter verfeinert wurde der "Airscarf", übersetzt "Luftschal". Im Jahr 2004 brachte Mercedes die Nackenheizung erstmals auf den Markt. Nun können Fahrer und Beifahrer die Ausströmerdüse auch nach oben und unten schwenken. Aktiviert wird der warme Luftstrom über eine Taste in der Mittelkonsole des klar gegliederten und qualitativ hochwertigen Armaturenbretts. Für noch mehr Komfort gibt es nicht nur ein Windschott zwischen den ausfahrbaren Kopfstützen der Rücksitze, sondern auch das "Aircap". Die "Luftmütze" ist ein um 6 Zentimeter ausfahrbarer Windabweiser oberhalb der Frontscheibe, aktiviert wird dieser per Knopfdruck.
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