RFID in der Fahrzeugerprobung
Mercedes automatisiert die Dokumentation getesteter Bauteile
Mercedes spricht deswegen vom "gläsernen Prototypen". Der Begriff soll illustrieren, dass alle an der Entwicklung und Erprobung Beteiligten gleichermaßen ständig informiert sind, wie sich das Fahrzeug im Laufe der Erprobung verändert hat und welche Bauteile gerade verbaut sind. "Der gläserne Prototyp kann den Erstaufbau der Erprobungsfahrzeuge sowie deren Umbauten jederzeit, sofort und an jedem Ort dokumentieren, mit den zentralen Dokumentationssystemen abgleichen und wenn notwendig korrigieren“, fasst Projektleiter und Mitarbeiter der Daimler-Forschung Michael Patocka zusammen.
Stationäre und mobile Erfassung
Für die praktische Durchführung gibt es derzeit drei Varianten. Stationär nutzt Mercedes eine "Quality Gate", eine leichte Tor-Konstruktion mit Lesegerät, das die Daten der RFID-Chips ausliest, wenn das Auto hindurchfährt. Weil dieses Tor fester Teil der Werkstattumgebung ist, hat man keine Wahl: Nach Veränderungen am Fahrzeug meldet das Lesegerät dem Computer per WLAN die Veränderungen am Fahrzeug und fordert dazu auf, die Veränderung zu dokumentieren. Für die "Freilanderprobung", also zum Beispiel bei Fahrzeugtests unter spezifischen klimatischen Bedingungen, gibt es zudem eine "Handheld"-Lösung, die eine mobile Erfassung von Veränderungen erlaubt.
Selbsterkenntnis
Besonders stolz ist man bei Daimler auf eine Onboard-Lösung, bei der ein Mercedes GLK selbst mit einem Lesegerät ausgestattet ist. Wenn dort eines der 130 mit Chip versehenen Teile getauscht wird, kann sozusagen das Fahrzeug selbst die Änderungen erkennen und in diesem Fall wiederum über WLAN an das Dokumentationssystem übertragen. Hinsichtlich der Datenkommunikation könnte man sich sicherlich noch weitergehende Lösungen vorstellen, so etwa, dass bauliche Änderungen per Mobilfunk abgesetzt werden – das ist allerdings bisher nicht der Fall.
Natürlich wäre es überzogen, aus der RFID-Technik einen unmittelbaren "Kundennutzen" ableiten zu wollen, und das behauptet man bei Mercedes auch nicht. Gerade angesichts des hohen Drucks, unter dem heutzutage entwickelt wird, sind dennoch auch in dieser Hinsicht Vorteile vorstellbar. Zwar führt eine bessere Projektdokumentation nicht zwangsläufig zu besseren Autos. Allerdings ist die Vorstellung, dass beim Erproben von Prototypen weniger Fehler auftreten und vielleicht sogar in der verfügbaren Zeit mehr Varianten getestet werden können, auch für manchen Autofahrer durchaus erfreulich – vielleicht sogar ein wenig beruhigend.
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